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Leben im Klimajahrhundert

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Leben im Klimajahrhundert

 Was geschieht mit Freiheit, Wohlstand und Frieden, wenn Hitze, Wasserknappheit und Anpassung unseren Alltag bestimmen?
Das 21. Jahrhundert wird wahrscheinlich nicht als das Jahrhundert des Weltuntergangs in Erinnerung bleiben. Es könnte als das Jahrhundert in Erinnerung bleiben, in dem der normale Alltag verschwand. Nicht überall gleichzeitig. Nicht mit einem großen Knall. Nicht an einem Dienstagmorgen um acht Uhr siebenunddreißig. Der Alltag wird sich schrittweise verändern. Erst durch höhere Stromrechnungen. Dann durch Wasserbeschränkungen. Durch Versicherungen, die bestimmte Häuser nicht mehr versichern. Durch Nächte, in denen Städte kaum noch abkühlen. Durch Lebensmittel, die plötzlich fehlen oder zum Luxus werden. Durch neue Grenzen, neue Kontrollen und neue Regeln darüber, wer wo leben darf.
 
Die Klimakrise wird nicht nur entscheiden, wie warm unsere Sommer werden. Sie wird darüber entscheiden, wie viel Freiheit, Wohlstand und Frieden sich Gesellschaften noch leisten können. Und sie trifft auf eine Menschheit, die zwar noch wächst, gleichzeitig aber altert und in immer mehr Ländern zu wenige Kinder bekommt.
 
Der Beginn hat längst stattgefunden
Die Erde ist bereits deutlich wärmer als vor Beginn der Industrialisierung. Das Jahr 2025 lag nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie ungefähr 1,43 Grad Celsius über dem vorindustriellen Durchschnitt. Die elf Jahre von 2015 bis 2025 waren die wärmsten seit Beginn der Messungen. Diese Zahl klingt klein. Niemand würde wegen einer um 1,43 Grad erhöhten Körpertemperatur gleich das Ende der Zivilisation ausrufen. Doch das Klima ist kein menschlicher Körper. Eine globale Durchschnittstemperatur besteht aus Milliarden lokaler Veränderungen. Über Land steigt die Temperatur stärker als über den Ozeanen. In Städten speichern Beton, Asphalt und Gebäude die Wärme. Gleichzeitig verändern sich Niederschläge, Luftströmungen, Böden, Meeresströmungen und Vegetationszonen.
 
Aus 1,43 Grad globaler Erwärmung können regionale Hitzewellen entstehen, die weit über dem liegen, was Menschen, Landwirtschaft und Infrastruktur gewohnt sind. Europa erlebte 2025 großflächig überdurchschnittliche Temperaturen. Hitzewellen reichten vom Mittelmeer bis in subarktische Regionen. Gleichzeitig führten viele europäische Flüsse weniger Wasser als üblich, während Gletscher weiter an Masse verloren. Das Klimajahrhundert ist daher keine ferne Möglichkeit mehr. Wir leben bereits darin.

2035: Die Anpassung wird Teil des Alltags
 
In den kommenden zehn Jahren wird die Klimakrise in wohlhabenden Staaten zunächst wie ein kostspieliges Modernisierungsprogramm erscheinen. Städte pflanzen Bäume, entsiegeln Plätze und bauen unterirdische Wasser-Speicher. Schulen erhalten Kühlräume. Krankenhäuser sichern ihre Stromversorgung. Arbeitszeiten werden im Sommer verschoben. Gebäude bekommen helle Fassaden, Verschattungen und neue Belüftungssysteme. Das klingt vernünftig. Und vieles davon ist es auch.

 
Doch Anpassung kostet Geld. Sehr viel Geld. Wer in einer wohlhabenden Gegend lebt, bekommt kühlere Straßen, begrünte Dächer und funktionierende Schutzräume. Wer in einem armen Viertel wohnt, erhält möglicherweise nur eine Warn-App, die mitteilt, dass es draußen gefährlich heiß ist. So entsteht eine neue soziale Grenze: nicht mehr nur zwischen Arm und Reich, sondern zwischen geschützten und ungeschützten Menschen. Freiheit bedeutet dann nicht mehr allein, reisen, konsumieren oder seine Meinung äußern zu können. Freiheit bedeutet, eine Wohnung zu besitzen, in der man im Sommer schlafen kann. Zugang zu sauberem Wasser zu haben. Eine Versicherung zu finden. Nicht bei jedem Starkregen zu befürchten, dass das Erdgeschoss vollläuft.

 
Die Klimakrise macht aus grundlegender Sicherheit ein käufliches Produkt.
Demnächst folgt hier Teil 2 der vierteiligen Reihe!
Four-Part Series: Humanity in the Climate Century - click here for the Article in english!
How will the climate crisis, resource scarcity and new technologies shape our future? Our three-part series explores what may lie ahead for freedom, prosperity and the survival of humanity.


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